Seite ausgedruckt von  http://www.vdh-lv-hessen.de
Inhalte © VDH Landesverband Hessen e.V.

Bernhardiner

Klassifikation:FCI-Gruppe 2 (Pinscher und Schnauzer, Molosser, Schweizer Sennenhunde)
Ursprung:Schweiz
Verwendung:Begleit-, Wach- und Hofhund
Farben:weiss-rot
Charakter:freundlich, ruhig bis lebhaft, wachsam
Stockmass +
Gew. (Rüde):
70 – 90 cm
80 – 85 kg
Stockmass +
Gew. (Hündin):
65 – 80 cm
75 – 78 kg


Beschreibung

Der Bernhardiner – früher Sankt Bernhardshund genannt - gehört wohl zu den ältesten und wegen seiner Größe, seines bemerkenswerten Aussehens zu den bekanntesten Rassen. Jeder verbindet mit dieser Rasse den Namen Barry. Ihm, dem wohl bekanntesten Vertreter der Rasse, wird nachgesagt, 40 Menschen vor dem Schneetod bewahrt zu haben.

Bereits sehr früh wurden im Kloster auf dem Großen Sankt Bernhard Hunde gehalten, die die Mönche auf ihren Wegen begleiteten und ihnen sicher auch bei Schneestürmen in dieser unwirtlichen Umgebung die richtigen Pfade zeigten. Ihre angeborene Hilfsbereitschaft, ihre Instinkte und ihre Fähigkeit selbst unter schwierigsten Lebensbedingungen sich zu behaupten prädestinierte sie, als Lawinenhunde eigenständig zu arbeiten.

Diese Aufgabe hat der heutige Bernhardiner nicht mehr. Moderne Technik verdrängte ihn aus diesem angestammten Bereich. Der Transport der Rettungshunde per Hubschrauber sorgte dafür, dass man lieber drei Hunde einer kleineren Rasse anstelle eines Bernhardiners mitnimmt. Die Fähigkeit zur Rettungsarbeit besitzt er immer noch – wie einzelne Arbeitsgruppen beweisen. Er ist aber ein Hund mit besonderen Anforderungen. Seine Größe allein schränkt schon den Kreis der Interessenten ein, denn es ist sicherlich nicht vernünftig einen Hund wie ihn in einer Wohnung in einem der modernen Miethäuser zu halten. Dies führt unweigerlich zu Problemen. Er stellt hohe Anforderungen an Platz, Liebe und Zuneigung. Bereits im 17. Jahrhundert bildete der italienische Maler Salvatore Rosa einen Hund ab, der unschwer als Bernhardiner zu erkennen ist.

Als ein Schneesturm in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts den gesamten Hundebestand des Klosters vernichtete, versuchte man planmäßig diese widerstandsfähigen Arbeitshunde aus Hunden, die in die Täler an Liebhaber gegeben wurden zu züchten. Heinrich Schumacher war der erste, der sich dieser Arbeit annahm. Ihm folgten andere und das führte dazu, dass sich in der Schweiz 1884 der erste Spezialklub gründete. Wenige Jahre später 1891 gründete sich in Deutschland der St.Bernhards-Klub, der heutzutage weltweit der größte Spezialklub der Rasse ist.

Zur Gründungszeit der Vereine wurde der Bernhardiner schon von vielen als Luxushund angesehen. Dies lag einerseits an den größeren Kosten, die die Haltung eines Großhundes für viele aus einfachen Bevölkerungsschichten unmöglich machte und andererseits auch daran, dass eine Varietät des Bernhardiners, der langhaarige St. Bernhardshund seit einigen Jahrzehnten gezüchtet wurde. Der ursprüngliche Hund war stockhaarig. Ein Irrtum – die Meinung, dass langhaarige Hunde wetterfester seien - bewog einige Züchter Leonberger und Neufundländer einzukreuzen. Dies war der Ausgangspunkt für den großen Erfolg des langhaarigen Bernhardiners, der heutzutage besonders vom breitem Publikum bevorzugt wird.



Haltung und Pflege

Ich setze einmal voraus, dass jeder, der sich einen Bernhardiner kauft, auch über die äußeren Gegebenheiten verfügt, ihn zu halten. Der Bernhardiner ist kein Hund für eine Mietwohnung. Er kann durchaus im Haus gehalten werden. Er wird dies sogar begrüßen, denn er liebt es, wie jeder andere Hund, Kontakt zu haben. Wegen seiner Größe benötigt er aber im Haus auch größere Freiflächen. Der Boden darf nicht glatt sein, da er sonst leicht ausrutscht und sich verletzen könnte. Er sollte auch nicht häufig Treppen steigen müssen, da dabei die Belastung der Bänder, besonders bei der Vorderhand enorm ist. Ein Hund der sich noch im Wachstum befindet, hat ohnehin Probleme genug seinen Bänder- und Muskulaturapparat zu festigen, da dieser wegen des Wachstums und der damit verbunden Gewichtszunahme beansprucht ist. Er muss ebenfalls einen Ruheplatz finden können, der nicht zu warm ist. Da der Hund aber auch einmal krank und dabei vielleicht unsauber werden kann, ist man gut beraten, auch wenn man ihn im Haus hält, einen Platz draußen zu haben, den er kennt und akzeptiert. Letzteres fällt viel leichter, wenn er ihn regelmäßig, auch als Welpe, aufsuchen muss. Lassen sie sich nicht erweichen, wenn der Hund anfangs draußen jammert. Er ist ein Rudeltier und fühlt sich einsam. Gibt man seinem Jammern nach, wird man ihn nie daran gewöhnen, draußen allein zu bleiben.



Geschichte

Auf der Passhöhe des Grossen St. Bernhard auf 2469 m über Meer haben Mönche im 11. Jahrhundert als Zufluchtsort für Reisende und Pilger ein Hospiz gegründet. Dort wurden seit der Mitte des 17. Jahrhunderts zur Bewachung und zum Schutz große Berghunde gehalten. Das Vorhandensein solcher Hunde ist bildlich seit 1695 und schriftlich in einer Aktennotiz des Hospizes im Jahre 1707 dokumentiert.

Die Hunde wurden bald als Begleithunde und besonders als Rettungshunde für in Schnee und Nebel verirrte Reisende eingesetzt. Die in vielen Sprachen publizierten Chroniken über zahlreiche durch diese Hunde dem weißen Tode entrissene Menschenleben und die mündlichen Berichte der Soldaten, welche 1800 mit Napoleon Bonaparte den Pass überquerten, haben im 19. Jahrhundert den Ruf des Bernhardiners, dazumal „Barry-Hund“ genannt, über ganz Europa verbreitet, und der legendäre Barry wurde zum Urbild des Rettungshundes.

Die direkten Vorfahren des St. Bernhardshundes, waren die in der Gegend viel verbreiteten großen Bauernhunde, welche in wenigen Generationen, nach einem festgelegten Idealtyp, zur heutigen Rasse gezüchtet wurden. Heinrich Schumacher von Hollingen bei Bern begann als erster 1867 für seine Hunde Abstammungsurkunden auszustellen.

Im Februar 1884 wurde das „Schweizerische Hundestammbuch“ (SHSB) eröffnet; die allererste Eintragung war der Bernhardiner Léon, und die weiteren 28 Eintragungen betrafen ebenfalls Bernhardiner.

Am 15. März 1884 wurde der „Schweizerische St. Bernhardsclub“ in Basel gegründet. Anlässlich eines internationalen Kynologenkongresses am 2. Juni 1887 wurde der St. Bernhardshund offiziell als schweizerische Hunderasse anerkannt und der Rassestandard wurde als verbindlich erklärt. Der Bernhardiner gilt seither als Schweizer Nationalhund.



Zum Rassestandard

Es existieren zwei Varietäten des St. Bernhardshundes:



Beide Varietäten sind von beachtlicher Größe und erhabener Gesamterscheinung; sie haben einen harmonischen, kräftigen, strammen und muskulösen Körper, mit imposantem Kopf und aufmerksamem Gesichtsausdruck.



Farbe

Grundfarbe weiß mit kleineren oder größeren rotbraunen Platten (Plattenhunde) bis durchgehend rotbraune Decke über Rücken und Flanken (Mantelhunde).

Zerrissener Mantel (mit Weiß durchbrochene Decke) gleichwertig.
Gestromtes Rotbraun zulässig. Braungelb toleriert. Dunkle Verbrämung am Kopf erwünscht. Anflug von Schwarz am Körper toleriert.

Vorgegebene weiße Abzeichen:
Brust, Pfoten, Rutenspitze, Nasenband, Blesse und Genickfleck.

Erwünschte Abzeichen:
Weißer Kragen, symmetrische dunkle Maske.


Welche Ziele verfolgt der St. Bernhards-Klub in der Zucht?

Rassehundezucht hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Frühere Wertausrichtungen an reinen "Schönheitsidealen", die stets vom jeweiligen Zeitgeschmack stark geprägt waren, hatten bei den meisten Rassen zu einer Überinterpretation der Rassestandards geführt. Auch der Bernhardiner blieb nicht davon verschont. Als der Sankt Bernhards-Klub und seine Mitglieder dies vor vielen Jahren erkannten, setzte man sich mit befreundeten Wissenschaftlern zusammen und begann, Zuchtziele zu formulieren, deren Aufgabe es ist, zuchtsteuernd zu wirken. Natürlich will jede Rassehundezucht äußere Merkmale, wie sie durch den Standard beschrieben werden, erhalten und verbessern - es muss nur die Richtung deutlich werden und übergeordnete Kriterien müssen für eine sinnvolle Auslegung sorgen. Der Bernhardiner, der in alten Zeiten ein Berg- und Arbeitshund war, darf nicht so verändert werden, dass seine Anatomie ihn von seinem Ausgang entfernt. Er soll die typischen Merkmale eines Berghundes aufweisen und so funktional gebaut sein, dass er auch seine ursprünglichen Aufgaben erfüllen könnte. Er darf daher trotz seiner Größe nicht zu schwer gebaut sein und keinen übertriebenen großen Kopf besitzen, sondern einen zum Körper harmonischen, typischen. Seine Haut und seine Muskulatur muss trocken und nicht aufgeschwemmt sein, da er sonst an Funktionalität verliert. Einhergehend mit seinem Äußerem muss der Hund - wie ehemals - über eine robuste Gesundheit verfügen. Sein Wesen muss ausgeglichen und frei von Aggressivität und Ängstlichkeit sein.



Welche Maßnahmen ergreift der St. Bernhards-Klub zur Erreichung der Zuchtziele?

Es ist selbstverständlich, dass der Verein nicht nur Ziele formuliert, sondern sich auch überlegt welche zielgerichtete Zuchtmaßnahmen zu ergreifen sind, um die Hunde gesund zu erhalten und ihnen ihre ursprüngliche Funktionsfähigkeit, die sie als ehemalige Arbeitshunde hatten, zurückzugeben. Maßnahmen bei der Erbfehlerbekämpfung gehörten dazu, ebenso eine Umgestaltung des Hundetyps, die eigentlich eine Rückbesinnung darstellte. Bei der Bekämpfung von Erbfehlern werden Tiere aus der Zucht ausgeschlossen, wenn die Gefahr besteht, dass sie ihre Krankheit an ihre Nachkommen weitergeben. Zuchtprogramme, die gemeinsam mit Wissenschaftlern entworfen wurden, werden zur Bekämpfung polygen vererbbaren Krankheiten erfolgreich eingesetzt. Eine umfangreiche Datensammlung wurde dazu angelegt, die uns hilft auf statistischem Wege eine genetische Belastung eines Tieres erkennen zu können. Genetische Analysen werden heutzutage bei Gelenkerkrankungen der Hüfte und des Ellenbogens durchgeführt, ebenso wie beim Lidschluss des Auges und der Straffheit der Haut. Zur Zeit wird versucht, Aufschlüsse über die Vererbbarkeit einzelner Wesensmerkmal zu erhalten. Die Informationen dazu erhält der Verein über einen standardisierten Wesenstest. Die Erfolge der Maßnahmen des Vereins sind bereits heute schon deutlich zu erkennen, denn die Hunde der Rasse sind z. B. überwiegend frei von Hüftgelenksdysplasie (ca. 75%) und in den restlichen Fällen fast nur gering belastet. Die Belastung durch Ellenbogenerkrankungen ist relativ gering. In Reihenuntersuchungen konnte außerdem festgestellt werden, dass die Rasse nicht von spezifischen Problemen des Herzens betroffen ist, die durch eine abweichende Größe des Herzen begründet ist. Herr Dr. Gutbrodt hat in einer Studie festgestellt, dass keine rassespezifische Abweichung der Herzgröße vorliegt. Darüber hinaus versucht der Sankt Bernhards-Klub seine Mitglieder und Züchter in regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen fortzubilden. Die Züchter werden ortsnah durch Zuchtwarte betreut, die die Zuchtstätten und Hunde kontrollieren und Berichte an den Klub abgeben. Um Inzuchtschäden langfristig zu vermeiden, gründete der Sankt Bernhards-Klub zusammen mit den Bernhardiner-Klubs aus der Schweiz, Dänemark und Italien das so genannte Bernhardiner-Forum –mittlerweile sind noch weitere Vereine hinzugekommen. Die Vereine verfolgen die gleichen Zuchtziele und bemühen sich, die Daten ihrer Hunde in die gemeinsame Auswertung zu bringen. Regelmäßige Treffen sorgen für eine Abstimmung und helfen bei der Steuerung der Zucht. Die enge Zusammenarbeit hat auch dafür gesorgt, dass mehr Hunde aus anderen Zuchtgebieten züchterisch eingesetzt werden können, da nun mehr Hintergrundinformationen über diese Hunde zur Verfügung stehen.



Die Rasse wird im Landesverband betreut vom:


St. Bernhard Klub e.V.
Heinz Artz
Bachstr. 10
35418 Buseck



Autor: Curt Prengel

November 2008


Weitere PortraitsBilder